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Wenn sich die reale und virtuelle Welt vermischen und miteinander kommunizieren, entstehen neue technologische Möglichkeiten. Eine davon stellt die Mixed Reality dar, die durch ihre computergenerierte Umgebung in Echtzeit interaktiv auf die Wirklichkeit reagiert – und dadurch viele Chancen für die Nutzung im unternehmerischen Umfeld bietet.

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So definiert sich der Begriff „Mixed Reality“

Die sogenannte Mixed Reality (häufig auch der Kurzform MR bekannt) gehört zu den modernen Technologien, die Realität und Virtualität miteinander verbinden und eine Erweiterung von vorhandenen Räumen mit haptischen Elementen ermöglichen. Sie schließt also Virtual Reality und Augmented Reality mit ein und erweitert die natürliche um die künstlich erzeugte Welt.

Um den Begriff genauer zu definieren, müssen wir im ersten Schritt Virtual Reality und Augmented Reality von einander abgrenzen. Virtual Reality beschreibt im Allgemeinen eine digitale, künstliche Welt, die mithilfe von spezieller Soft- und Hardware erlebbar gemacht wird. Sie nutzt Technologien zur Erzeugung von 3D-Grafiken, Multisensor-Interaktionstechnologien und hochauflösende Displays zur Erzeugung einer vollständig computergenerierten interaktiven Umgebung und ermöglicht ein umfassenderes, immersives Erlebnis.

Wird die physische Realität um virtuelle Elemente erweitert so spricht man von Augmented Reality. Es entsteht eine Mischform aus Realität und Simulation, die vor allem auf begrenzten Flächen stattfindet (beispielsweise also auf dem Handy-Bildschirm oder dem Fernseher), was sie von VR unterscheidet.

Mixed Reality geht über diese Konzepte hinaus und bilden das komplette Spektrum zwischen physischen und digitalen Welten ab. MR bildet laut Microsoft “eine Verknüpfung von Computerverarbeitung, menschliche Eingaben und Umgebungseingaben” und “eröffnet die Möglichkeit, echte Mixed Reality-Erfahrungen zu schaffen. Bewegung in der physischen Welt wird in Bewegung in der digitalen Wert übersetzt. Begrenzungen in der physischen Welt haben in der digitalen Welt Einfluss auf das Erleben von Anwendungen”

Stellt man beispielsweise in MR eine digitales Modell einer Kaffeetasse auf einen realen Tisch und verschiebt diesen anschließend, fällt die Tasse herunter oder verschiebt sich ebenfalls mit dem Tisch zusammen – die computererzeugte Simulation ist sich folglich der Position auf echten zwei- und dreidimensionalen Objekten bewusst und berechnet laufend die Reaktion auf äußere Einflüsse um entsprechend reagieren zu können.

Mixed Reality – der derzeitige Stand der Technik

Was im ersten Moment kompliziert und besonders fortschrittlich klingt, wird in der Technologieentwicklung bereits seit den 1990er-Jahren angestrebt. Erstmals aufgetaucht ist der Begriff “Mixed Reality” im Jahre 1994 in dem Artikel “A Taxonomy of Mixed Reality Visual Display” von Paul Milgram und Fumio Kishino und ist inzwischen auf dem kommerziellen Markt angekommen.

Seit der Windows-10-Ära hat vor allem Microsoft dazu beigetragen, den Begriff neu zu prägen und die Technologie durch Hardware-Ergänzungen (wie ihrer Hololens) immer weiter voranzutreiben, sodass vor allem in den letzten Jahren viele neue Systeme entwickelt wurden.

Die laufenden Berechnungen der Lage und Position des Nutzers sowie der Tiefe und Form der Umgebung und aller haptischen Elemente um die Realität in einer gemischten Form mit der digitalen Ergänzung verbinden zu können hat zur Folge, dass Mixed Reality im Vergleich zu VR und AR den höchsten Anspruch an Hardware und Prozessor stellt.

Die benötigte Hardware für MR-Anwendungen kann in 2 Kategorien unterteilt werden und zeigt gleichzeitig den derzeitigen Stand der Technik:

  1. Holografische Geräte platzieren digitale Inhalte so in der realen Umgebung, dass sie die Illusion erzeugen als wären die Gegenstände tatsächlich vorhanden. Eine transparente Anzeige ermöglicht den Nutzern trotz des Tragens eines Headsets, die reale Umgebung zu sehen.Ein Beispiel für diese Art von Gerät ist die Hololens von Microsoft, welche einfach gesagt, das Anzeigen von Hologrammen in einem vorhandenen Raum ermöglicht.Diese Hologramme werden durch das projizieren von Licht dreier Laser über mehrere Spiegel direkt auf die Rückseite des Auges ermöglicht. Der Nutzer kann sich frei im Raum bewegen und mit der Umgebung durch Gesten interagieren. Wie dieser Vorgang im Detail funktioniert könnt ihr hier nachlesen.
  2. Immersive Geräte wie beispielsweise die Samsung HMD Odyssey+ ersetzen , anders als die Holografischen Geräte, die  reale durch eine virtuelle Umgebung. Die reale Welt wird hierbei durch ein lichtundurchlässiges Anzeigegerät ausgesperrt und erzeugt einen “Eindruck von Gegenwart”. Eine ausführliche Beschreibung des Mixed Reality Headsets von Samsung mit technischen Details findet ihr hier

In Bezug auf zukünftige Entwicklungen wird der Fokus von Herstellen wahrscheinlich vor allem darin liegen, den Einsatz von MR-Headsets im täglichen und dauerhaften Einsatz nutzbar zu machen.

Potentiale nutzen – als Unternehmen von Mixed Reality profitieren

Schon die Entwicklung in den letzten Jahren lässt erahnen, dass die Chancen und Möglichkeiten für die unternehmerische Nutzung dieser Technologie nicht nur weit gestreut, sondern vor allem auch attraktiv sind.

So kann Mixed Reality laufend und in Echtzeit Informationen zur Verfügung stellen, die mit der Realität korrespondieren, und entsprechend korrekt in die Umgebung eingeblendet werden können. Vor allem das Gesundheitswesen profitierte in den letzten Jahren von Mixed Reality.

So wurde bereits in der Universitätsklinik Balgrist eine erfolgreiche Wirbelsäulen-Operation unter Hinzunahme einer Hololens 2 durchgeführt. Im Vorfeld wurde ein 3D-Modell der betroffenen Stelle nach Ergebnissen eines CT-Scans erstellt, welches während der Operation direkt auf das Operationsfeld projiziert wurde und den Chirurgen so unterstütze.

Auch der Bildungssektor kann durch virtuelles Lernen besonders profitieren. Ähnlich wie bei unserer AR-Lern-App InnoClass wird es möglich verschiedenste Informationen oder Modelle  in den Klassenraum zu projizieren und erlebbar zu machen.

Der Echtzeit-Aspekt liefert auch im Trainingsbereich viele Möglichkeiten. Studien, beispielsweise des Institutes für Psychologie der Universität Greifswald, über den Einsatz von Datenbrillen am Arbeitsplatz zeigen, dass die Kommunikation über diese ähnlich effektiv sei, wie im persönlichen Gespräch. VR-Trainings-Apps wie Possibl können unter dem Aspekt durch MR in vielen Bereichen ergänzt werden und so noch effektivere und effizientere Trainings schaffen.

Die genannten Anwendungsmöglichkeiten sind nur einige Beispiele für die Vielfalt von Mixed Reality. Die Möglichkeiten von Mixed Reality sind grenzenlos – welche möglichen Potenziale sich jedoch langfristig durchsetzen werden, wird nur die Zukunft zeigen können.