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Ob als Navigator in den Weiten der virtuellen Welt, als virtueller Assistent in VR-Schulungen oder als unser digitaler Repräsentant in den beeindruckenden Welten von Videospielen – Avatare gibt es in unterschiedlichen Form mit jeweils ganz eigenen Einsatzgebieten. Mit diesem Artikel möchten wir euch dieses spannende Thema näherbringen und euch neben den unterschiedlichen Form von Avataren und ihrer Herstellung, Beispiele zeigen, in welchen Bereichen Avatare zum jetzigen Zeitpunkt bereits eingesetzt werden.

Definition

Avatare stellen eine künstliche Person, Grafikfigur oder Abbildung dar, welche Internetnutzern in der virtuellen Welt zugeordnet werden. Dabei dient sie als eine Erweiterung in den virtuellen Bereichen und kann je nach Art des Avatares eine große Ähnlichkeit mit uns selbst aufweisen.

Ursprung/Herkunft

Viele Quellen berichten Avatare fanden ihren Ursprung im Science-Fiction-Roman “Snow Crash” von Neal Stephenson aus dem Jahre 1992. In diesem Roman fliehen die verliebten Hauptcharaktere in das sogenannte “Metaversum”, welches einer Mischung aus Internet und Massively Multiplayer Online Role-Playing Game gleicht. In diesem Metaversum bewegen sich die Charaktere durch Avatare.  Obwohl der Begriff durch Neal Stephensons Roman stark an Popularität gewann, fand der Begriff schon im Jahre 1985 Anwendung. Zum ersten Mal in ihrem modernen, virtuellen Kontext definiert wurden sie im vierten Teil der erfolgreichen Fantasy-Rollenspielreihe “Ultima”, welche 1981 durch Entwickler Richard Garriott ins Leben gerufen wurde. In “Ultima IV – Quest of the Avatar” reflektierten und identifizierten die Spieler sich zum ersten mal mit den Handlungen und Entscheidungen des Hauptcharakters “Avatar”.Somit standen die Ideen und Entscheidungen des Avatars repräsentativ für den Spieler in der “realen Welt” und vertraten die Werte der realen Person hinter dem Charakter.

Möglichkeiten zur Erstellung von Avataren

Ebenso vielfältig wie ihre Form, sind auch die Möglichkeiten zur Erstellung von Avataren. Eine einfache und schnelle Methode der Erstellung sind Bilder oder Icons, welche aus einer vorgefertigten Bibliothek ausgewählt oder von einem Handy, Drive oder der Cloud hochgeladen werden können. Zweidimensional wird hierbei der digitale Vertreter dargestellt und kann als Identifikation für den Nutzer und andere Teilnehmer genutzt werden.

In eine ähnliche Richtung gehen auch Online-Charakter-Generatoren wie beispielsweise Getavataaars. Aus einer Auswahl vorgefertigter Komponenten wie Augen, Frisuren und Kleidung kann ein persönlicher Avatar erstellt werden. Dieser ist zumeist comichaft dargestellt und bietet durch eine begrenzte Anzahl von Kombinationsmöglichkeiten nur ein gewisses Maß an Individualisierung. Diese Form von Avataren wird bei Videospielen wie die Sims, World of Warcraft oder auch the Elder Scrolls verwendet, wo einem durch ein Charaktermenü die Möglichkeit gegeben wird die Figur begrenzt nach seinen eigenen Vorstellungen und Wünschen anzupassen.

Zufällig erstellte oder abstrakte Avatare bieten anders als realistische eine gewisse Art von Anonymität, da sie nicht zwingend auf realen Personen basieren und somit potenziell von jedem gespielt werden können. Ein großer Vorteil für alle, die die virtuelle Welt als Ablenkung vom realen Leben nutzen und keine Ähnlichkeit zu sich selber in ihrem Charakter wiederfinden oder bewusst in andere Rollen schlüpfen wollen.

Die Firma Pinscreen geht durch ihre Foto generierten Avatare einen spannenden anderen Weg. Aus einfachen Porträt-Fotos können durch fortschrittliche (oft Smartphone-basierte) 3D-Scantechnologie fertig geriggte, fotorealistische 3D-Avatare generiert werden. Diese Art der Avatare weisen durch ihre Foto-Grundlage eine höhere Ähnlichkeit mit der “realen Person” auf. Das führt dazu, dass sich die Nutzer viel mehr mit ihrem virtuellen “Counterpart” identifizieren können.

Pinscreens eigene KI-Technologie namens paGAN (photoreal avatar GAN) liefert, anders als andere Engines, ein komplettes Animation Rigg, welches mit 3D-Software wie Maya oder Blender kompatibel ist und somit die Animation der Avatare vereinfacht.

 

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Die Nutzer benötigen für die Erstellung von Avataren zwar keine technischen Kenntnisse, je nach Verwendungszweck müssen diese Avatare aber von technischen Experten für die Nutzung nachbereitet werden. Die einfache Kompatibilität mit Maya oder Blender stellt auch hier einen großen Vorteil dar.

Software wie Maya oder Blender kann aber nicht nur für die Nachbereitung eines Avatars verwendet werden, sondern bietet auch die Möglichkeit diese komplett zu erstellen. Da dieser Vorgang sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und in vielen Fällen ebenfalls Referenzen in Form von Fotos benötigt, wird er zunehmend durch die oben genannten Möglichkeiten ersetzt.

Ein aktuelles Beispiel für 3D-modellierte Avatare ist das Projekt “Neon” von Samsung. Star Labs, eine Tochterfirma von Samsung, stellte auf der Consumer Electronics Show (CES) ihre KI-getreibene Lebensformen vor. Diese “Neons” seien virtuelle Wesen, die nach echten Models modelliert wurden und sowohl Emotionen als auch Intelligenz zeigen können. Sie basieren auf der von Samsung entwickelten Core R3 Engine, welche einzigartige Verhaltensweisen und Interaktionen kreieren soll.ie “Neons” sollen in Filmen, AR-Erfahrungen oder Smartphone-Apps eingesetzt werden.. Wir sind gespannt wie es mit diesem Projekt weitergeht.

Möchten  Nutzer oder Unternehmen ein lebensechtes Abbild als Avatar erstellen, gibt es aktuell nur die Möglichkeit einen Ganzkörper-3D-Scan vorzunehmen. Ein 3D-Scanner ist ein Gerät, welches zur Analyse eines Objektes oder einer Person verwendet werden kann. Dieser sammelt während eines Scans Daten über die Form, Gestalt und Aussehen der Person oder des Objektes und erstellt in wenigen Minuten ein computergestütztes 3D-Modell basierend auf dem physischen Objekt/der physischen Person. Momentan sind zwei unterschiedliche Arten des Scans möglich:“Photogrammetry” und “Structured Lights”. Bei Photogrammetry werden viele Fotos gleichzeitig von einem Objekt/einer Person  aus unterschiedlichen Winkeln gemacht. Diese Fotos werden im Anschluss durch einen Algorithmus zusammengeführt und ergeben so den Avatar. Bei den Structured Lights hingegen werden eine Reihe von Lichtmustern auf das Objekt gerichtet und messen die Form, Größe und Struktur des Objektes/der Person. Mittels Triangulation wird so ein genaues 3D-Modell erstellt. Beide Technologien können bei Bedarf auch kombiniert werden.

“IVBO-Prinzip” und “Uncanny Valley-Effekt” 

Wie bei den 3D-Scans schon deutlich wird, erforschen Unternehmen die Erstellung von immer realistischeren Avataren, was unter anderem auf das IVBO-Prinzip zurückzuführen ist. “Illusion of virtual body ownership” beschreibt die Akzeptanz unserer virtuellen Gegenstücke und die Identifikation mit diesen. Spannend zu beobachten ist, dass Teilnehmer, die durch einen virtuellen Körper mit virtuellen Objekten interagieren müssen, ein höheres Präsenzgefühl haben als diejenigen, die mit einer traditionellen Benutzeroberfläche interagieren. Das hohe Maß an Realismus kann bei den Nutzern sogar zu Veränderungen des Verhaltens, der Einstellung und der emotionalen Beteiligung des für den Avatar verantwortlichen Benutzers führen.

Der Fokus auf Realismus ist auf der anderen Seite mit Vorsicht zu genießen, da bei zu realistischen Avataren der “Uncanny Valley”-Effekt auftreten kann. Ab einem gewissen Grad des Realismus, der aber eben doch noch kleine Unregelmäßigkeiten enthält –  sinkt die Affinität. Der Avatar wird als unheimlich und abstoßend wahrgenommen. Je höher das Level an Realismus von unserem digitalen “Counterpart”, desto weniger sind die Nutzer in den meisten Fällen bereit die Fehler der Figur anzunehmen bzw. über sie hinwegzusehen.

Anwendungsfelder für Avatare

Die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Erstellung von Avataren bieten eine große Bandbreite an potentiellen Anwendungen. Ein paar interessante Anwendungen möchten wir euch gerne noch präsentieren.

 

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Gerade in der momentanen Situation, in der Videokonferenzen als Alternative zu physischen Treffen verwendet werden, kann es durch das Wegfallen von Körpersprache zu einer erschwerten Kommunikation mit dem Gegenüber kommen. Interaktive Workshop- oder Schulungsformate haben es so teilweise schwer, die Aufmerksamkeit der Teilnehmer auf die Inhalte zu fokussieren oder bestimmte Handgriffe bei beispielsweise technischen Aufgaben zu vermitteln. Abhilfe können hier z.B. Full-Body-Avatare in Verbindung mit Mixed Reality Systemen und neue immersive Möglichkeiten zur freien Bewegung schaffen.

Ein Beispiel wie so etwas zielführend in Bereichen wie “Schaltbefähigung in einem Umspannwerk” oder der “Sicherheit auf einer Baustelle” verwendet werden kann, ist die von uns entwickelte Vcademy. Die Plattform für professionelle Virtual Reality Trainings und Schulungen im Arbeitsumfeld.

In Verbindung mit VR und AR können Avatare – richtig eingesetzt – eine große Kosten- und Zeitersparnis mit sich bringen. Statt Beispielsweise bei Konferenzen, die häufig im Business-Bereich mit einer Reise in eine andere Stadt verbunden sind, physisch vor Ort präsent sein zu müssen, bieten Avatare die Möglichkeit einfach seinen virtuellen Repräsentanten in VR zu schicken.

Avatare finden aber nicht nur im Businessbereich anschluss, auch leider oftmals vergessene Bereiche wie Gebärdensprache profitieren durch Avatare. SIMAX von der Firma Sign Time in Wien, verwendet Avatare für die automatische Übersetzung von Inhalten in Gebärdensprache. Ganze Nachrichtensendungen werden so visuell durch Avatare anstatt von echten Menschen übersetzt und können durch ihre einfache Erstellung eine Erhöhung der Zugänglichkeit von Informationen für gehörlose Menschen ermöglichen.

Fazit

Avatare – unsere virtuelle Identität – sind ein Paradebeispiel dafür, dass Technik ständig im Wandel ist. Täglich kommen die unterschiedlichsten Menschen auf geniale Ideen und Verbesserungen um sie für die Allgemeinheit ansprechender und effektiver zu machen. Mit 3D-Scans geht die Technik unserer Meinung nach schon in die richtige Richtung, jedoch setzen wir vermehrt auf Ganzkörper-Avatare, die die User selbstständig mit nur einem einzigen Profilfoto erstellen können. Dies ist die simpelste Methode mit erstaunlich guten Ergebnissen und sie ist massentauglich. Wir sind sehr gespannt, welche Möglichkeiten sich uns vielleicht schon in 5 Jahren bieten.

 

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Suhail Ahmad – Individual Solutions & Business Development

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